Journalismus befindet sich im Wandel: KI, soziale Medien und neue Informationswege verändern die Arbeit in Redaktionen. Im Interview gibt Johanna Stein, Redakteurin der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Einblicke in einen Beruf, der von technologischem Wandel und gesellschaftlicher Verantwortung geprägt ist.

Warum sind Sie Journalistin geworden?

Weil ich neugierig bin und gern schreibe. Schnell habe ich außerdem gemerkt, wie abwechslungsreich der Beruf ist und, dass ich damit eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft erfülle: Menschen informieren, Missstände aufdecken, komplexe Sachverhalte einordnen.

Was unterscheidet die Arbeit von Redakteur*innen und Influencer*innen?

Redakteur*innen sind ausgebildet, umfänglich zu recherchieren, kritisch zu hinterfragen und Fakten möglichst neutral wiederzugeben. Sie arbeiten unabhängig und transparent und halten sich an journalistische Standards. Influencer*innen tun das unter Umständen auch, dafür gibt es aber keine Garantie. Daher ist es wichtig, dass auch etablierte Medienmarken und ausgebildete Journalist*innen in sozialen Medien präsent sind und Themen einordnen. Wir bei der HAZ haben dafür zum Beispiel unsere Newsfluencer – das sind ausgebildete HAZ-Redakteur*innen, die aktuelle Themen aus Hannover in Videoformaten aufbereiten.

In welchem Maße erleben Sie in Ihrer redaktionellen Arbeit Konkurrenz durch KI?

Natürlich hat die KI Auswirkungen auf unsere redaktionelle Arbeit. Das muss aber nichts Schlechtes sein. Vielmehr können wir die KI als Werkzeug einsetzen. Wir nutzen eigene, datenschutzkonforme KI-Tools, die uns bei der Recherche unterstützen und technische Prozesse vereinfachen, etwa im Bereich Grafik und Layout oder beim Nutzerinteresse mit Blick auf Themen.

Was können Sie als Lokalredakteurin besser als KI?

Ich kann tiefer recherchieren, kritische Fragen stellen, mit Menschen vor Ort sprechen und wirklich nah an diesen Menschen und ihren Bedürfnissen sein. Und ich kann Verantwortung für meine Arbeit übernehmen. All das kann eine KI nicht, weshalb sie mich als Lokaljournalistin auch nicht ersetzen, sondern nur in meiner Arbeit unterstützen kann. Auch wenn KI uns helfen kann – am Ende eines Workflows steht bei uns immer ein Mensch.

Was sind die Schattenseiten Ihres Berufs?

Schattenseiten ist ein sehr negatives Wort. Ich würde eher von Herausforderungen sprechen. Da ist zum einen der Wandel, den die gesamte Branche seit Jahren durchlebt – von den klassischen Ausspielwegen Print und Rundfunk ins Digitale. Soziale Medien und KI sind dabei zusätzliche Faktoren. Außerdem ist der tagesaktuelle Lokaljournalismus schon immer ein Berufsfeld, das Flexibilität erfordert. Man muss sich schnell auf immer wieder neue Menschen und Situationen einlassen können – und wenn das Rathaus brennt, kann man nicht um 17 Uhr den Stift fallen lassen und Feierabend machen. Aber wenn man damit umgehen kann, wird man mit einer unglaublich spannenden, vielseitigen und sinnstiftenden Arbeit belohnt.

 

Fragen: AG “Kolleg-News”
Foto von Nina Hoffmann.