Eine kurze Frage in den Chat, Sekunden später kommt die Antwort. Fühlt sich an wie ein kleiner Gefallen. Aber dieser Gefallen hat eine Kostenrechnung, die du nicht sehen kannst. Und die fällt höher aus, als vermutet.

Laut Studien des Electric Power Research Institute verbraucht eine Chat GPT-Anfrage etwa 2,9 Wattstunden – während eine klassische Google-Suche mit nur 0,3 Wattstunden auskommt. Oder wie es der Nokia-Blog im Januar 2026 zusammenfasst: Chat GPT- 4.0 bekam im zweiten Quartal 2025 etwa 2,5 Milliarden Anfragen pro Tag mit einem Energieaufwand von mindestens 0,34 Wattstunden pro Anfrage, was laut Open AI-CEO Sam Altman umgerechnet etwa 275 GWh Strom pro Jahr entspricht – so viel, wie ein durchschnittlicher US-Haushalt in 120 Jahren verbraucht.

Was bedeutet das konkret? Schauen wir uns die Größenordnungen mal in einer Grafik an:

KI-Modell / Dienst Energie pro Anfrage CO₂-Ausstoß pro Anfrage Wasser pro Anfrage
ChatGPT (OpenAI)

0,34 Wh (Altman)
0,42 Wh (UN)
2,9 Wh (EPRI)

ca. 4,3 g ca. 10–25 ml1
Google Gemini

0,24 Wh (Median)
bis 15 Wh (komplex)

ca. 0,03 g 0,26 ml (5 Tropfen)
Claude (Anthropic)

<1 Wh (klein)
ca. 2,8 Wh (mittel)
ca. 41 Wh (Coding)

k. A. k. A.
DeepSeek

0,7 Wh (R1)
2 Wh (V3)
29 Wh (R1, anderer Test)

k. A. bei langen Prompts >100 ml
Klassische Google‑Suche

ca. 0,3 Wh

0,2 g – 1,5 g k. A.
Bildgenerierung

0,25–0,84 Wh (optimiert)
1,2–3,58 Wh (typisch)

k. A. k. A.

1 0,5 l Wasser pro 20–50 Fragen (GI‑Studie 2025). Alle Angaben ohne Gewähr.

Um es mal in eine konkrete Größe zu fassen: Der jährliche Energiebedarf allein für die Beantwortung von Nutzeranfragen an Chat GPT liegt laut der Analyse von BestBrokers bei etwa 226,82 Millionen kWh. Diese Energiemenge allein entspricht bereits fast dem gesamten Tagesstromverbrauch eines Landes wie Finnland oder Belgien.

Aber der Energieverbrauch ist nicht die einzige Ressource, die hier verbraucht wird. Die Gesellschaft für Informatik (GI) veröffentlichte im Juli 2025 eine Studie, die den Wasserverbrauch von KI entlang des gesamten Lebenszyklus untersucht. Das Ergebnis: Jede vom KI-Modell formulierte E-Mail oder 20 bis 50 Fragen an einen Chatbot benötigen rund einen halben Liter Wasser. Lena Hoffmann, die Autorin der Studie, warnt: “Der Wasserverbrauch von KI wird derzeit oft noch unterschätzt. Wenn wir nicht gegensteuern, drohen neue Nutzungskonflikte – gerade in Regionen, die bereits heute mit Wasserknappheit kämpfen.”

Mit dem hohen Energieverbrauch entstehen neue Probleme, wie beispielsweise das „Carbon Leakage“ – die Verlagerung von Emissionen ins Ausland. Eine Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2025 zeigt, dass KI-Berechnungen in Regionen mit günstiger, nicht CO₂-neutraler Energie verlagert werden könnten. Ein Teil der europäischen KI-Anfragen wird bereits heute in den USA und China verarbeitet, wo weniger strenge Klimapolitiken gelten.

Die gute Nachricht: Die Hersteller werden besser. Google Gemini ist mittlerweile extrem effizient. Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Frage: Wie viele dieser Anfragen sind wirklich nötig? Eine schnelle Google-Suche reicht oft. Bildgenerierung sparsam einsetzen. Und wenn du eine KI nutzt, dann für Dinge, die wirklich komplex sind. Die Ressourcen sind endlich – aber du kannst steuern, wie schnell du sie verbrauchst.

 

ChatGPT / OpenAI

Google Gemini

DeepSeek / Claude (Anthropic)

Klassische Google-Suche

Bildgenerierung

Rechenzentren global

Carbon Leakage

(djs, 22.06.2026)